Montag, 10. März 2008

Mal wieder, oder: endlich mal wieder ein Blog! :)

10.03.2008

Inhalt:
- Warum neue Blog-Seite?
- Was gibt es neues?
- Warum ist das Wetter in Quito so besch...eiden?
- Was ist so los in Ecuador? Aktuelle Eregnisse!

So, nun ist schon Mitte Maerz, dann kann ich ja auch endlich mal wieder etwas von mir hoeren lassen! :)

- Warum neue Blog-Seite?
Nun, erstmal. Warum ich die Blogseite gewechselt habe? Ganz einfach, weil mir hier bessere
und vorallem zeitsparendere Funktionen zur Verfuegung stehen. Nein, es ist nicht der
Gruppenzwang! :-P
Ist einfach nur alles praktischer und schneller, einen anderen Grund gibt es dafuer nicht.

Auf dieser Blogseite koennen vor allem bald alle ganz einfach meine Bilder finden, ohne lange
suchen zu muessen. Bis ich allerdings alle Bilder hochgeladen habe, koennten noch
ein bis zwei Tage vergehen!

- Was gibt es so Neues?
Nun ist schon Mitte Maerz, und ich habe mich doch tatsaechlich Ende Januar das letzte Mal
hier zu Wort gemeldet.

Es sind schon ein paar Sachen passiert.
Der Februar war erstmal gepraegt von ca. 1.000 Couchsurfern. So kam es Mitte Februar dazu,
dass wir in unserer kleinen Wohnung auf einmal zwoelf Personen zu Gast hatten. Das
verrueckte daran: nur Deutsche. Was machen 17 Deutsche Mitte in Quito auf einem Haufen?
Das weis keiner so genau. Das Gute daran war, um das mal vorwegzunehmen, dass irgendwie
immer irgendwas leckeres zu Essen auf dem Tisch stand, und fuer eine spezielle Sorte
von Kaltgetraenken stets gesorgt war.

Karneval: Mitte Februar wurde auch hier in Ecuador Karneval gefeiert. Nun bin ich ja wirklich
nicht der Super-Karnevals-Freund, eher ganz das Gegenteil, aber das konnte man sich nun
einfach nicht entgehen lassen.
So kam es, dass wir uns eines schoenen Vormittages auf dem Weg nach Ambato machen, ca. 3 Stunden
von Quito entfernt. Ein groesseres Andenstaedchen, in dem sonst das ganze Jahr ueber eigentlich
eher nichts bis ueberhaupt nichts los ist. Zur Karnevalszeit konnte man das allerdings nicht
behaupten. Die Einwohnerzahl hatte sich in diesen Tagen wohl verdrei- oder vervierfacht.
Die Einen sprechen von einem kleinen, verschlafenen Nest, die Anderen von Karnevalhochburg
Ecuadors. Irgendwie haben beide Seiten recht. ;)

Nach der bisher bequemsten Busfahrt (gefuehlte drei Meter Beinfreiheit) und einem ausnahmsweise-
mal-nicht-teurer-als-das-der-Anderen-und-dazu-auch-noch-lecker(en)-Veggie-Mittagessen
streiften wir etwas durch die Innenstadt Ambatos. Natuerlich sind wir, da bis zum
eigentlichen Umzug noch etwas Zeit war, erstmal am Marktplatz mit diesem gewissen, oefters
genannten, Kaltgetraenkt stecken geblieben und konnten dem endlosen Redefluss eines Ortsan-
saessigen gerade so standhalten.
Charakteristisch fuer Ambato zur Karnevalszeit ist, dass man immer und ueberall mit Schaum
besprueht wird. In Ambato wirft man halt keine (bzw. kaum) Suessigkeiten von den Waegen, sondern
sprueht sich von oben bis unten mit espuma ein. Das man da als weisse Reisegruppe natuerlich
besonderns in die Schussbahn der Einwohner geraet, sei als Randbemerkung erwaehnt. ;)
Die Bilder, die bald folgen, sprechen hier wohl fuer sich und ich komme um eine noch
umfassendere Beschreibung herum! :)

Der Karnevalszug an sich fande ich weniger spektakulaer. Der Zug bestand groesstenteils aus
Musikkapellen unterschiedlichsten Niveaus, getunten Autos (Karneval? getunte Autos? Ja, mich
hat das auch etwas ueberrascht), Miss-Irgendwas-Waegen und Werbeautos. War alles schoen
mit anzusehen, aber wenn man sowieso schon nicht so der Karnevalsfreund ist, kann man sich
an sowas auch nicht so wirklich begeistern. Aber trotzdem war allessehr lustig gemacht
und gut gestaltet. Natuerlich auch alles eine Stufe angenehmer, als in Deutschland
rotzbesoffenen Gestalten beim Alkohol-Verteilen zuschauen zu muessen.

Die nachfolgende Schaum-Schlacht war dann dermassen witzig, dass Max und ich erstmal den
Anschluss verloren und kurzfristig oriertierungslos durch Ambato liefen.
Wie schon erwaehnt, als "Gringo" ist man da oft und gerne Ziel gemeiner, hinterhaeltiger
Angriffe! Gut, lag wohl auch daran, dass Jonas ordentlich vorgelegt hat.

...

Ich muss etwas gestehen: Ich war wandern.
Ja, sogar richtig lange. Mehrere tausend Kilometer (gefuehlte) und ca. 25 Kilometer
taetsaechliche Kilometer Wegstrecke haben wir an einem, mal wieder, verregneten Samstag
hinter uns gelassen. Was Volker Feser in seinem Ecuador-Reisebuch als "uriges Andenstraesschen"
bezeichnet, hat mir ca. eine Woche Muskelkater eingebracht.
Abgesehen davon war die Landschaft (wie man den bald folgenden Bildern entnehmen kann) teilweise
einfach so schoen, dass man darueber gerne hinwegsieht.
Im Zielort Ibarra haben wir uns dann sogar noch eine Flasche Wein im Restaurant geleistet.
Unglaublich!

So, und bevor jetzt wieder jeder fragt, ob ich nebenbei eigentlich auch noch Arbeite:
Fundación:

Seit nun schon fast zwei Monaten bin ich als Zivi bei der Fundación Esperanza in Quito taetig.
Und ich muss feststellen: Die Arbeit macht immer noch sehr viel Spass. Taetig bin ich immer
noch bei den Kids der "Segundo de Basica" (erste Klasse). Ein gewoehnlicher Tag dort sieht
etwa wie folgt aus:

9.00 Uhr - Arbeitsbeginn
9.00 Uhr - 10.00 Uhr: Unterrichtsvorbereitungen fuer die Tía, oder im Moment auch vermehrt
Nachhilfe fuer nicht so herausragende SchuelerInnen.
10.00 Uhr - 10.15 Uhr: Pause und Café fuer die Kids (bestehend aus z. B. Kakao, Keksen,
Broetchen, usw.)
10.15 Uhr - 13.00 Uhr: Waehrend des Unterrichts: Fragen beantworten, Bleistifte spitzen,
nicht-arbeitswillige Kids ermahnen, Klogang mit Melany, die im Rollstuhl sitzt und das
nicht selbststaendig erledigen kann, manchmal etwas spielen mit den Kindern, die ihre Aufgaben
schneller erledigt haben, als der Rest.
13.00 Uhr - 14.00 Uhr: Mittagessen mit den Kindern, alles fuers Essen vorbereiten, Melany
dazu uebereden, doch die Gehhilfe anstatt den Rollstuhl zu benutzen (*hihi*), selbst Essen
und etwas ausruhen, bis die Kids alle brav gegessen haben.
14.00 Uhr - 16.00 Uhr: Hausaufgabenbetreuung und Schaukel-Anstumpen im Park.

Obwohl das jetzt alles so routinemaessig klingt, ist eigentlich kein Tag wie der Andere, auch
wenn sich die Aufgaben natuerlich Tag fuer Tag aehneln. Den Kindern faellt immer etwas neues
ein, um Nathalia und mich auf Trab zu halten, und langweilig wird es garantiert nie.
Auch wenn die Arbeit an manchen Tagen sehr anstrengend ist, naemlich dann, wenn auch die Kinder
anstrengend sind, nicht hoeren wollen, sich allem wiedersetzen, macht es einfach so viel
Spass mit ihne zu Arbeiten, dass man alles andere schnell vergisst.
Und wenn man dann so Saetze hoert wie: "Tío, versprichst du mir, dass du nie wieder gehst?" -
dann ist man doch ganz gluecklich, seinen Zivildienst in Ecuador machen zu duerfen.

...

Das mit den Spanischkenntnissen ist auch noch so eine Sache. Ich habe jetzt den Grossteil
meiner Pflichtstunden mit Manuel hinter mir, aber manchmal will es trotzdem noch nicht so
ganz klappen. In der Fundación ist das im Umgang mit den Kindern nicht das Problem, weil
man da einfach nicht so viele Woerter braucht, und der Imperativ schnell gelernt ist (*hihi*),
aber auf der Strasse und im Umgang mit Erwachsenen Menschen happert es doch noch ab und zu.
Aber das wird sich auch noch legen, da bin ich fest davon ueberzeugt.


- Warum ist das Wetter in Quito so besch...eiden?
Das kann mir eigentlich keiner so genau sagen. Heute war es vormittags sogar mal sonnig,
aber im Moment regnet es, wie so ziemlich jeden Tag.
Regenzeit...uah.

- Aktuelle Ereignisse in Ecuador
Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, hat es in Ecuador etwas staerker geregnet, als das
fuer die Umwelt gut gewesen waere. Starke Ueberschwemmungen haben das Land heimgesucht, vorallem
die Kuestengebiete sind betroffen. In Quito bzw. allgemein im Hochland, hat man davon nicht
allzu viel mitbekommen. Als wir jedoch vorvergangenes Wochenende aus Guayaquil heimgefahren
sind, konnten wir aus dem Busfenster das Ausmaß dieser Ueberschwemmungen erleben.
Ganze Doerfer stehen z. B. unter Wasser. Aber Ecuador waere nicht Ecuador, wenn die Leute
sich nicht einfach ein kleines Boot vor ihr Haus stellen (was eh schon auf Stelzen steht, weil
es hier einfach oefter zu groesseren Ueberschwemmungen kommt) wuerden und einfach so weiter
leben wie bisher, sogar mit komplett funktionierendem Strom. Leider konnte ich aus dem Bus
keine Bilder machen, so das diese Beschreibung fuer das Erste genuegen muss.
Am schlimmsten fuer das Land sind dann eigentlich auch die Ernteverluste, die durch die
Wassermassen verursacht wurden. Vorallem, dass sagten die lokalen Medien, sei die
Bananenindustrie uebermaessig stark betroffen, was zu Preiserhoehungen fuehren koennte.
Kauft also schoen Bananen aus Ecuador (natuerlich nur die, bei denen die Bauern auch
einigermaßen fair bezahlt werden).

Von den Vulkanausbruechen bekommt man hier auch eher weniger mit. In der vergangenen Zeit
sind zwei Vulkane ausgebrochen, die auch ein paar Schaeden angerichtet haben. Aber natuerlich
ist man in dem Land mit dem groessten Vulkanvorkommen auf so etwas vorbereitet und es scheint,
als wuerde das die Leute hier eher weniger interessieren.

Im Moment brandaktuell ist der Grenzkonflikt zwischen Ecuador und Kolumbien, ausgeloest durch
die Bombardierung von FARC-Guerillas auf ecuadorianischem Boden durch das kolumbianische
Militaer.
Fest steht, dass Kolumbien mit der Bombardierung natuerlich ecuadorianisches Hoheitsgebiet
angegriffen hat.
Zwar sprechen manche hier von Krieg, aber im Grunde genommen findet dieser Konflikt eher
auf diplomatischer Ebene statt. Praesident Correa hat sich passend dazu ein paar Freunde
in der Umgebung gesucht (zuletzt hat sich Nicaragua auf die Seite Ecuadors gestellt) und
auf der anderen Seite hat US-Praesident Bush dem kolumbianischen Praesidenten, dessen Land
von den USA unterstuetzt wird, zu einem erfolgreichen Schlag gegen den Terrorismus gratuliert.
Das sich Hugo Chavez, der allseits beliebte Praesident Venezuelas, in den Konflikt
eingeschaltet und Ecuador seine vollkommende Solidaritaet versichert hat, war dann auch
nur eine logische Konsequenz, die sich aus den Ereignissen ergeben hat.
Es wird also viel geredet und im Endeffekt bezweifeln alle Beobachter, dass dieser Konflikt
wirklich zu einem Krieg fuehren wird.

Die patrotische Einstellung der EcuadorianerInnen zeigt aber, dass dieser Konflikt durchaus
ernst genommen und kritisch beobachtet wird.

(Das hier ist uebrigens weder eine politische Stellungnahme oder eine vollstaendige Wiedergabe
des Konfliktes, sondern nur eine subjektiv gefaerbte Information an alle interessierten
Blog-Leser.)

Nun, jetzt habe ich doch wieder genug eurer Zeit in Anspruch genommen.
Ich freue mich jederzeit ueber Mails an: menig.sascha@web.de - oder ueber Briefe und Postkarten!

Mal sehen, wann ich das naechste Mal von mir hoeren lassen. Ich habe mir natuerlich vorgenommen,
wieder haeufiger zu schreiben. Auch, um mir solche Ewig-Schreib-Aktionen zu ersparen. :)

Liebe Gruesse aus Quito,
Sascha

P.S.: Wie immer NICHT Korrektur gelesen! =)

Samstag, 26. Januar 2008

Erster großer Blog

26.01.08
Blog III

So, heute also Blog Nummer 3. Es ist Samstag, der 26.01.08, ich hatte gerade
zwei Stunden Spanischunterricht und jetzt gerade nichts zu tun! :)

Inhalt:
- Arbeit in der Fundación Esperanza
- Pferdetherapie
- "Supermaxi"
- Wohnung
- Ausflug nach Canoa

Arbeit in der Fundación Esperanza
Seit zwei Wochen bin ich nun im Dienste der Fundación Esperanza in Quito tätig. Unser erster Tag begann mit einer Führung durch die komplette Einrichtung, inkl. Vorstellung aller (Kinder-)Gruppen, Einrichtungen und Instanzen. Dann kam der obligatorische bürokratische Teil: Fragestunde mit den Chefinnen und Erledigung der Formalitäten. Natürlich klappt das mit dem Spanisch noch nicht so, aber wir (Max und ich) konnten uns doch einigermaßen verständlich machen.

Insgesamt war der erste Tag natürlich geprägt von total vielen neuen Eindrücken, die ich zuerst gar nicht einzuordnen wusste, was sich aber im Laufe der vergangenen Tage gelegt hat und mich schon ganz gut in der Fundación zurechtfinde. Am ersten Tag war ich ich in der Gruppe mit den am schwersten behinderten Kinder tätig. Das dies für den ersten Tag eine große Herausforderung war, ist vermutlich kein großes Geheimnis. Neben Rollstühle putzen stand da auch das Füttern der Kinder auf dem Programm, da in dieser Gruppe kein Kind selbstständig essen oder trinken, geschweige denn sich umziehen oder reden kann.

Anfangs war auch noch nicht klar, in welcher Gruppe ich nun letztendlich tätig sein werde.
Nach einem kleinen Abstecher in die hauseigene Bibliothek, wo es Bücher zu sortieren galt,
war ich auch noch in zwei anderen Gruppen tätig:
Die Gruppe von Tía Aurie, mit acht ebenfalls behinderten Kindern sowie die Gruppe von
Tía Natalia, eine zweite Klasse mit siebzehn Kindern, wovon drei ebenfalls Behinderungen
aufweisen.
Im Moment sieht es so aus, als würde ich in der zweiten Klasse an Joss` Stelle treten, denn
in dieser Gruppe war ich die komplette letzte Woche tätig.
Wie die Arbeit in einer zweiten Klasse aussieht (für deutsche Verhältnisse eigentlich eine erste
Klasse, denn die Kinder sind, mit einer Ausnahme, erster zwischen fünf und sieben Jahre alt)
möchte ich an dieser Stelle kurz beschreiben:
Generell haben die Kinder einen festen Unterrichtsplan, der u. a. die Fächer Sprache, Englisch,
Mathematik, Sport, Kultur und "Informatik" enthält und auch in Stunden eingeteilt ist.
Das Klassenzimmer fällt, wie eigentlich alle anderen Räume der Fundación, für siebzehn Kinder
ziemlich eng aus. Das hat natürlich den Vorteil, dass man schneller einen Überblick hat und die
Kids weniger Möglichkeiten, rumzurennen (was jetzt nicht heißt, dass sie das davon abhält).
Jedes Kind verfügt über ein paar Hefte und Stifte, und auch sonst ähnelt die Einrichtung einem
deutschen Klassenzimmer. Mit der Ausnahme, dass deutsche Klassenzimmer wesentlich moderner und größer sind, und die Kids über eine bessere Ausstattung verfügen (ja, ich hatte Blasen am Finger vom Bleistifte spitzen! ;), was Unterrichtsmaterialien angeht.

Die Arbeit eines Freiwilligen besteht in dieser Klasse hauptsächlich aus der Unterstützung der
Tía (übrigens: Tía ist das spanische Wort für Tante. Männer werden Tío [Onkel] genannt) im
Unterricht und bei der Unterrichtsgestaltung. Auch kann es vorkommen, dass man mal eine ganze Zeit lang auf die Kinder aufpassen muss, z. B. wenn die Tía mit einem speziellen Kind zur Therapie geht. Mittags hilft man dann bei der Essensausgabe und passt auf, dass die Kids artig ihren Teller leer essen und nicht sonstigen Unfug am Tisch veranstalten. Nachmittags spielt man dann mit den Kindern Fussball oder Ähnliches. Insgesamt ist die Stimmung in dieser Klasse ziemlich gut und ich fühle mich dort ausgesprochen wohl.Das liegt auch daran, dass die Kinder einen sehr schnell ins Herz schließen und an ihrem Leben teilhaben lassen. Die drei Kinder mit Behinderungen in der Klasse brauchen natürlich mehr Aufmerksamkeit.
So ist da z. B. Evelyn, die Älterste der Klasse, mit einer ausgeprägten Sehbehinderung (post-blind), die ihre Lesen und Schreiben nur unter zuhilfenahme einer starken Brille, großem Bleistift und selbst dann nur sehr eingeschränkt ermöglichen. Trotzdem ist sie aber ein sehr fröhliches Kind, immer zu einem Spaß aufgelegt und lässt sich von ihrer Behinderung nicht unterkriegen.
Melany dagegen ist da ein ganz anderes Format. Bedingt durch Muskelschwäche sitzt sie im Rollstuhl. Ihre Hände kann sie zwar für schreiben, essen oder schneiden benutzen, jedoch auch nur sehr eingeschränkt. Bei Melany haben die Behinderung und die daraus resultierenden Nachteile auch seelische Spuren hinterlassen, weshalb sie oft sehr traurig ist und sich gegenüber allem abschottet. Ihr Intellekt würde ihr wesentlich mehr erlauben, als ihr Körper jedoch zulässt. Für sie ist schon die eigenständige Fahrt zum Essensaal eine große Herausforderung, zu der sie nicht jeden Tag Lust verspürt.
Dann ist da noch Byron, der geistig behindert ist (mental retarded, tut mir leid, die deutschen Begriffe fallen mir dazu nie ein! :). Für ihn ist natürlich lesen und schreiben und allgemein das Konzentrieren auf den Unterricht schwer. Aber er bemüht sich, so dass man seine Behinderung im allgemeinen Unterrichtsgeschehen kaum mitbekommt, denn er erledigt die Aufgaben immer mit der für ihn größtmöglichen Sorgfalt.

Die restlichen vierzehn Kinder sind zwar nicht behindert, aber stammen ausnahmslos aus armen Verhältnissen. Letzte Woche hatten wir die Möglichkeit, mit anderen Freiwilligen (Global Volunteers aus den USA) die Wohnverhältnisse der Klasse zu besichtigen. Zufällig waren wir auch bei der Mutter von Javier, einem Kind aus meiner Gruppe, eingeladen. Die Wohnung, versteckt hinter Steintreppen im dritten Stock eines armen Viertels, in der Luciano mit seiner Mutter, seiner Tante sowie seinem Bruder lebt, hat die größe eines durchschnittlichen
deutschen Wohnzimmers. Mehr als 20 m² sind das nicht. Das Bad teilt sich die Familie mit anderen Wohnungen, die im Moment jedoch nicht bewohnt sind. Lucianos Eltern sind geschieden und die Mutter muss ihre kleine Familie, ohne Unterstützung vom Vater, mir rund 230 US-$ im Monat durchbringen. In diesem Betrag ist jedoch auch schon das Gehalt dabei, was ihre Schwester monatlich beisteuert. Nun sind die Lebenshaltungskosten in Quito nicht sonderlich hoch, doch zwei kleinen Kindern eine Schulausbildung zu ermöglichen, zu ernähren und
Miete plus Nebenkosten zu bezahlen, gestaltet sich dann doch als sehr schwierig. Große Sprünge sind für die Familie nicht möglich, genauso wenig wie bessere und vor allem sicherere Wohnverhältnisse. Vor wenigen Wochen wurde die kleine Wohnung auch noch von Dieben heimgesucht und vieles gestohlen.

So wie Lucianos Familie geht es allen Kinder in der Fundación, mit oder ohne Behinderung.

Pferdetherapie - Pferdetherapie?
Ja, Pferdetherapie.
Von Dienstag bis Donnerstag hat die Fundación die Möglichkeit, den Kindern eine Pferdetherapie
noch weiter im Norden von Quito zu ermöglichen. Die dort ansässige Pferdewirtin bietet ihren Dienst kostenlos an. Für die Kinder sind diese Ausflüge natürlich immer eine große Freude und haben schon bei Einigen zu Verbesserungen der Krankheitsbilder geführt. Das man dort als Betreuer wachsam sein sollte, wurde mir klar, als das nette Pferd plötzlich Stur wurde und
auf meinem Fuß stehenblieb :) - passiert ist glücklicherweise nichts, aber angenehm war es auch nicht. Das kommt davon, wenn man sich zu stark auf die Kinder auf dem Pferd, die es festzuhalten gilt, konzentriert, anstatt auf das Pferd selbst.

Supermaxi
Eine weitere Aufgabe von uns Zivis, übrigens im Moment fünf an der Zahl, ist das dienstägliche Ritual des Supermaxi. Supermaxi ist eine ecuadorianische Supermarktkette. Jeden Dienstag kann die Fundación dort nicht mehr verkäufliche Lebensmittel abholen, die Supermaxi kostenlos zur Verfügung stellt. "Nicht mehr verkäufliche Lebensmittel" ist dabei natürlich ein sehr umfangreicher Begriff. Neben Obst und Gemüse, Milch, Joghurt oder Getränken, wird auch Fleisch ausgegeben. Das diese Lebensmittel teilweise auch gar nicht mehr für den menschlichen Verzehrt geeignet sind, brauche ich wohl an dieser Stelle nicht zu erwähnen. Genau aus diesem Grund ist die Arbeit unter den Zivis in etwa so beliebt, wie verdorbenes Essen selbst.
Diese Lebensmittel gilt es dann auf die Camioneta zu laden und in einer 90-minüten Fahrt, das Lager befindet sich im außerhalb Quitos in Richtung Süden, zur Fundación zu transportieren, wo die noch verwendbaren Lebensmittel dann auch in den Speiseplan einfließen.

Sicherlich ist diese Geste des Supermaxi vordergründig positiv, weil gut für die Kinder, weil gemeinnützig. Wenn man aber genauer hinschaut und man sieht, welche Art von "Lebensmitteln" dann noch verteilt werden, bekommt das ganze einen relativ bitteren Beigeschmack. Kostenlose Müllentsorgung und Imageaufbesserung sprechen da eine andere Sprache. Hygienisch ist das Ganze auf gar keinen Fall. Und es fehlt auch an Mühe, an dieser Tatsache etwas zu ändern.

Wohnung
Unsere Zivi-Wohnung im schönen Stadtteil Jipijapa bewohnen wir im Moment noch zu fünft. Eigentlich sind es immer vier Zivis, die hier leben, aber Joss hat sich dazu entschieden, noch etwas zu bleiben. Die Wohnung besteht aus einem geräumigen Ess- und Wohnzimmer, einer Küche, Bad, einem Abstellraum sowie vier Schlafzimmer. Die Dachterrasse unserer Vermieter dürfen wir auch benutzen, die einen ziemlich schönen Ausblick gewährt... :)!
Die ersten Bilder der Wohnung gibt es übrigens auf meiner MySpace-Seite www.myspace.com/armerirrer.
Wer kein MySpace hat, hat im Moment leider noch etwas Pech gehabt, hihi, denn ich konnte mich gestern beim Upload der Bilder aus unerfindlichen Gründen nicht bei blog.de einlogen. Aber ich werde das nachholen, irgendwann :).
Das Leben hier verläuft eigentlich immer harmonisch und wir verstehen uns sehr gut. Meine anfänglichen Bedenken, mit vier eigentlich fremden Menschen in einer Wohnung zu wohnen, haben sich schon nach dem ersten Tag verflüchtigt. Und dafür, dass das hier eine reine Männer-WG ist, sieht es hier doch immer recht ordentlich aus, auch wenn die Wohnung natürlich ecuadorianischen und nicht deutschen Standards entspricht.
Letzte Woche hat dann Ole noch an seinem letzten Tag hier den Warmwasser-Boiler repariert, weshalb wir jetzt auch richtig warm duschen können. So richtig warm, und so :)!

Ausflug nach Canoa
Letztes Wochenende haben wir einen kleinen Ausflug an die Küste unternommen, um Ole zu verabschieden. Die Busfahrt, die hier in Ecuador doch gerne mal sehr abenteuerlich werden kann, dauerte ca. 10 Stunden, so dass wir am Samstag morgen um sieben Uhr am Strandort Canoa ankamen. Dort erstmal am Strand ausgeruht, gefrühstückt und dann das Hostal bezogen, dass komplett aus Holz und Bambus gebaut war, und doch sehr gemütlich war. Ich weiß nicht, wie, aber die Tatsache, dass Ole gerade in Canoa seinen Paragliding-Schein macht, hat dann automatisch dazu geführt, dass wir mit einer Gruppe von ca. 15 Leuten Paragliden gegangen sind.
Greg, ein Ami aus Kentucky, hat dort vor ca. einem Jahr eine Paragliding-Schule eröffnet und uns herzlich eingeladen. Bilder folgen! :)
Eines kann ich sagen: aaaah, jederzeit wieder, sehr gerne! :) :) :) :)

...to be continued... :)

P.S.: Am Stueck geschrieben und nicht korrektur gelesen! :)